Fehlende Meldungen sind keine Null

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2013 prüften Wissenschaftler eine Studie von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff über Staatsschulden und Wirtschaftswachstum. Sie fanden einen Fehler in einer Excel-Formel: Die Daten von fünf Ländern gingen nicht in eine Durchschnittsberechnung ein. Rogoff bestätigte den Fehler. Analyse, Stellungnahme.

Die Formel lieferte eine Zahl. Doch ein Teil der Daten fehlte in der Rechnung. Das kann auch bei Auswertungen in Unternehmen passieren.

Ein erfundenes Beispiel: Drei Abteilungen melden ihren Umsatz für den vergangenen Monat. Im Monat davor hatten sie zusammen 300.000 Euro Umsatz.

Zum vereinbarten Termin haben erst zwei Abteilungen gemeldet: 110.000 und 90.000 Euro. Die dritte Meldung fehlt noch.

Die Software zählt die vorhandenen Zahlen zusammen: 200.000 Euro. Im Bericht steht:

Der Umsatz ist um 33,3 Prozent gesunken.

Später meldet die dritte Abteilung 120.000 Euro. Jetzt beträgt der gesamte Umsatz 320.000 Euro. Er ist also um 6,7 Prozent gestiegen.

Die erste Summe war richtig gerechnet. Sie enthielt aber nur zwei von drei Abteilungen. Verglichen wurde sie mit dem vollständigen Umsatz des Vormonats. So wirkte die fehlende Meldung wie ein Umsatz von null.

Hilfreicher wäre diese Anzeige gewesen:

Bisher gemeldet: 200.000 Euro. Zwei von drei Meldungen liegen vor. Eine fehlt noch.

Der Vergleich mit dem Vormonat kann warten, bis alle Zahlen da sind. Soll er schon vorher erscheinen, muss deutlich danebenstehen, dass noch eine Meldung fehlt.

Bei meiner Arbeit an einer Webanwendung für Unternehmenskennzahlen gehörte genau diese Situation zu den Anforderungen: Abteilungen waren weltweit verteilt und meldeten ihre Zahlen zu unterschiedlichen Zeiten. Gemeinsame Formeln waren wichtig. Ebenso wichtig war die Frage, welche Zahlen bereits vorlagen.

Für eigene Berichte helfen drei einfache Prüfungen:

  1. Fehlende Meldungen anzeigen. Es muss klar sein, welche Abteilungen schon gemeldet haben und welche noch fehlen. „Noch nicht gemeldet“ und „Umsatz null“ sind zwei verschiedene Angaben.
  2. Den Zeitraum nennen. Alle Zahlen müssen zum gleichen Zeitraum gehören. Eine Meldung, die heute eingeht, kann den vergangenen Monat betreffen.
  3. Schätzungen kennzeichnen. Geschätzte Zahlen können früh einen Überblick geben. Im Bericht sollte aber erkennbar sein, welche Werte gemeldet und welche geschätzt wurden.

Neben jeder wichtigen Kennzahl sollte deshalb stehen: Welche Daten liegen vor, welche fehlen noch und welche wurden geschätzt?

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